Dienstag, 23. September 2014

Offener Brief an Emma Watson anlässlich ihrer Rede vor der UN

Liebe Emma,

eine schöne Rede hast du da vor den Damen und Herren der UN zum Start der HeForShe Kampagne gehalten. Dem Grundsatz nach hätte ich dem eigentlich auch mehr Zustimmung entgegenzubringen, als Ablehnung, aber du hast da die eine oder andere Frage gestellt und auch ein paar Aussagen getroffen, die ich nicht unkommentiert stehen lassen will.

Zunächst mal ist da die Sache mit der Idee und dem Wort. Feminismus sei nur ein Wort und es sei die Idee, die zähle, sagtest du. Daher solle man nicht die Idee aufgrund des unliebsamen Wortes ablehnen.
Klingt toll, aber… Ideen sind nur private Gedanken, bis sie in Worte gefasst und geteilt werden. Die Worte definieren die Idee und bestimmen sie dadurch in gewisser Weise. Angesichts des… ‚schlechten Rufs‘, den das Wort Feminismus - meiner Meinung nach nicht völlig zu Unrecht - hat, wäre vielleicht ein anderes Wort als Oberbegriff angebrachter. Der gute Joss Whedon hat da einige Überlegungen angestellt, die dich zu diesem Thema interessieren könnten. Ruf ihn mal an, das könnte euch beide noch ein Stück weiter bringen.

Davon mal ab, kann ich dir allerdings sagen, weswegen mich dieses Wort so stört: Es steht nicht für die Gelichberechtigung und Gleichbehandlung, die auch deine Kampagne als hehres Ideal erkoren hat, sondern für einen Angriff auf die männliche Hälfte der Gesellschaft. Es ist ein Banner für die Rachegelüste, die manche Frauen offenbar wegen der Dinge verspüren, die ihnen oder ihren Müttern und Großmüttern angetan wurden.
Feminismus, wie ich ihn leider zu oft miterlebt habe, ist nicht auf Harmonie oder Aussöhnung aus, sondern auf ‚Gebietsgewinne‘. Es ist ein kriegerisches Wort und der Kampf gilt dem anderen Geschlecht.
Danach beurteile ich dieses Wort, ebenso wie ich das sogenannte Christentum nach seinen Errungenschaften und Taten beurteile. Oder von mir aus auch den Nationalsozialismus. Ein anderes Messinstrument habe ich dafür nicht, denn wie man so schön sagt: Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert. Oder anders ausgedrückt: Schön, wenn eine Idee gut ist, aber es kommt darauf an, was daraus gemacht wird.

Darüber hinaus habe ich aber auch mit dem Ideal selbst ein Problem, da will ich ganz offen sein. Ich störe mich daran, wenn Ideale rassistisch sind. Und Feminismus ist eine rassistische Idee durch Auslassung. Beim Feminismus werden per Definition alle Männer und Jungen außen vor gelassen. Und ebenso alle anderen Geschlechter, zu denen sich irgendwer zugehörig fühlt.
Ich finde das nicht fair, denn so, wie du recht damit hast, dass in keinem Land der Welt alle Frauen völlig fair behandelt werden, gibt es auch kein Land der Welt, in dem alle Männer fair behandelt werden. Benachteiligung ist nicht in erster Linie eine Frage des Geschlechts oder der Hautfarbe, sondern eine Frage der Machtverteilung und vielleicht auch der Lobbys.
Ungleiche Bezahlung gibt es überall und gegenüber allen möglichen Leuten. Es gibt sie überall dort, wo ein Chef oder eine Firma skrupellos genug ist, es zu versuchen und damit durchkommt. Einschränkungen bezüglich der Verfügungsgewalt über den eigenen Körper gibt es ebenfalls auch bei männlichen Menschen. Um hier mal ein Beispiel zu bringen, will ich auf Beschneidung im Kindesalter verweisen, die längst nicht mehr nur aus religiösen Gründen durchgeführt wird, sondern wegen… naja… deswegen halt. Weil Tradition und so…

Will ich hiermit den Fokus von den Frauen weg auf die armen Opfermännchen verschieben und dem Feminismus den Wind aus den Segeln nehmen? Will ich das den Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen aufgrund von deren Geschlecht gegenüberstellen?
Nein, verdammt!

Was ich verdeutlichen will ist, dass eine Gleichbehandlungsidee nur dann etwas taugt, wenn sie alle ungleich behandelten mit einbezieht. Die IDEE wohlgemerkt, nicht notwendigerweise die jeweilige Bewegung in allen Details.
Ich verstehe, dass man sich bei begrenzten Ressourcen und limitierter Arbeitskraft erreichbare Ziele stecken muss. Ein solches Ziel - auch wenn man über die Erreichbarkeit sicherlich streiten kann - ist beispielsweise das Ziel einer einheitlichen, geschlechtsunabhängigen Bezahlung. Wobei ich auch hierbei lieber etwas über einheitliche Bezahlung für alle Infragekommenden, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Religion, Hautfarbe oder sexueller Orientierung sprechen würde.
Aber selbst wenn man für ein solches, klar abgegrenztes Teilziel streitet, sollte man sich dabei zu der Idee gleicher Rechte für ALLE bekennen. Die Idee als solche nur auf einen Teil der Menschheit zu beschränken, ist nämlich rassistisch und führt am Ende dazu, dass bei einem Sieg in diesem Bereich zwangsläufig irgendeine andere Gruppe benachteiligt wird, um die Verluste wieder auszugleichen. Und dann brauchen wir eine Männerrechtsbewegung oder eine Kampagne zur Erringung gleicher Rechte für die nun benachteiligten Luxemburger oder was auch immer.

Der Vorteil dabei, in der Idee auch wirklich gleiche Rechte für alle zu propagieren ist außerdem, dass damit letztlich die aufs Korn genommen werden, die WIRKLICH für die Ungerechtigkeiten verantwortlich sind. Diejenigen, die von Ungleichbehandlung profitieren, was Männer, Frauen, Schwarze, Weiße, Schwule, Heteros oder sogar Aliens sein mögen.
Diejenigen in den jeweiligen Machtpositionen behandeln ihre Untergebenen oder Schutzbefohlenen oder zufällig ihnen sozial Untergeordneten nämlich oft ungerecht, einfach weil sie es können. Gerechtigkeit muss gelehrt und auch eingefordert werden, aber es ist kein Erfolg errungen, wenn dabei nur eine Gruppe profitiert und sich das Ungleichgewicht einfach nach woanders verschiebt.
Nur wenn rigoros alle gefordert sind, sich anständig zu verhalten, egal mit wem oder was sie es zu tun haben, ist das Ergebnis auch übertragbar. Andernfalls machen es sich die Leute mit der Macht nämlich einfach und sagen irgendwann, dass sie doch jetzt Frauen fair behandeln. Und die nun geknechteten Luxemburger (Sorry, liebe Nachbarn, aber ich brauchte eine greifbare Minderheit und ihr seid nun einmal eine kleine Nation) müssen daraufhin erst einmal eine fünfzigjährige Kampagne starten, damit überhaupt jemand darauf aufmerksam wird, dass sie jetzt die neuen Frauen sind und eine Bewegung für ihre Rechte brauchen.

Nun, da das hoffentlich halbwegs verständlich beleuchtet wurde, will ich noch etwas zum Thema Respekt loswerden. Im Zusammenhang mit Feminismus-Themen wird dieses Wort nämlich gerne und oft missbraucht. Sexualisierung, Objektifizierung und sonstiger Unfug kommen da gerne mal in schönen, dicken Scheiben auf den Teller.
Um es aber mal ganz direkt zu sagen: Das ist Bullshit.

Frauen und Männer sind unterschiedlich und das ist auch gut so. Körperliche Unterschiede sind ebenso Teil unserer Spezies, wie ein unterschiedlicher Umgang mit diesen Unterschieden. Frauen tuscheln im Privaten und möglichst ohne unerwünschte Zeugen über Männer und machen sie zu Sexobjekten - und ja, das tun sie oft und gerne und das ist auch okay - und Männer sind da etwas weniger diskret.
Ist es ein Zeichen von mangelndem Respekt, wenn sie sich dabei erwischen lassen? Das lässt sich nur individuell beurteilen, aber hinsichtlich der Gesamtheit muss die Antwort nein lauten. Männer können Frauen individuellen und allgemeinen Respekt entgegenbringen und trotzdem bemerken, dass eine spezifische Frau tolle Möpse hat. Ebenso, wie Frauen einen Mann respektieren können, auch wenn sie am liebsten nur auf seinen Knackarsch starren würden. Der Unterschied ist, dass Frauen - interessanterweise durch ihre Vergangenheit als Menschen zweiter Klasse - gelernt haben, ihr Wohlgefallen nicht so stumpf zum Ausdruck zu bringen.

Was diese Sache angeht, wird in meinen Augen viel, viel Wirbel um rein gar nichts gemacht. Ob jemand ein respektloses Arschloch ist oder nicht, lässt sich individuell recht schnell entscheiden. Dafür brauchen wir keine Definitionshilfen in Form von starren Benimmregeln. Und falls wir solche Regeln doch erstellen, müssten sie gemeinschaftlich erarbeitet werden.
Sollte das jemals geschehen, hoffe ich wirklich, dass dabei nicht die Gedankenfreiheit auf der Strecke bleibt, aber das ist ein anderes Thema.

Bleibt nur noch eine Frage offen: Warum mache ich mir die Mühe, das alles überhaupt niederzuschreiben?
Die Antwort habe ich oben gegeben: Es ist eine Idee und ich gebe ihr Form mit meinen Worten und definiere sie.

Meine Idee ist ziemlich radikal, weil ich keine Lust habe, mich in kleinen, nutzlosen Konflikten um einzelne Missstände zu verzetteln. Ich strebe nach Höherem, weil ich gerne bis zu meinem Tod an der Hoffnung festhalten können will, dass es irgendwann einmal besser werden könnte mit der Menschheit. Dass wir einen Weg finden, unsere aggressive, sexbesessene Natur zu akzeptieren und trotzdem Gerechtigkeit, Verständnis und Mitgefühl vorherrschen. Zwischen jedem und jeder, ganz gleich, welche individuellen Unterschiede gerade vorliegen.
Mein Lösungsansatz ist dafür sehr einfach und im kleinen Rahmen gehalten: Ich erhoffe mir, dass Einzelne den Anfang machen und mehr individuelle Urteile fällen, statt sich Gruppendruck, gesellschaftlichem Zwang oder Medienbeeinflussung zu beugen.
Ganz genau deswegen schreibe ich das nieder und mache einen offenen Brief daraus. Irgendwie muss ich es schließlich unter die Leute bringen, selbst wenn es nur die wenigen Leser meines Blogs sind…

In diesem Sinne…

…viel Erfolg bei deinen Bemühungen, Emma. Ich hoffe, dein Horizont erweitert sich irgendwann und deine Anstrengungen schließen letztlich alle mit ein. Ich denke, das würde dir durchaus auch gefallen, denn eine Feministin wie die, die ich von früher kenne, bist du gewiss nicht. ;-)


PS: Was ich bei alledem nicht unerwähnt lassen will ist, dass ich es absolut beknackt finde, was der guten Emma nicht zuletzt aufgrund ihrer Rede da nun angedroht wird. Von wegen Veröffentlichung irgendwelcher Nacktfotos, die Hacker gestohlen haben...
Weder interessieren mich solche Fotos, noch habe ich irgendwelche Sympathien für derartige Kindereien übrig. Das ist einfach nur unterste Schublade und wenn jetzt deswegen Nacktfotos von mir gefaked werden, habe ich damit kein Probelm... :-P

Kommentare:

  1. Super, da stehe ich als emanzipierte Frau, nicht Emanze, hinter deiner Idee. Selbst als weibliches Wesen halte diese derzeit angestrebte Art des Feminismus für übertrieben, ein Invertieren der alten Firm

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